Nahe Zeitung vom Donnerstag, 15. Oktober 2015

 

Mit Spendengeldern wird eine Schule gebaut
Projekt König des Dorfs spendet Grundstück

Diesen Sommer war es so weit: Gaby Westrich, Vorsitzende des Vereins Boa Abofra, und ihr Lebensgefährte Salifu Bukari konnten mit dem Bau der Schule in Ghana, dem Heimatland Bukaris, beginnen. Drei Jahre lang hatten sie mit Auftritten der Leiseler Trommelgruppe Tanamasi, diversen Benefizveranstaltungen und Spendenaufrufen Geld gesammelt, um in Südghana in der Nähe des Dorfes Akotsi eine Schule zu bauen. Mit dem Startkapital von 5000 Euro und einem Container voller gesammelter Fahrräder für die künftigen Schüler erreichten sie das kleine Dorf Anfang August und betreuten das Bauvorhaben fünf Wochen lang.

Das Grundstück für das Schulgebäude hatte der König des Dorfes, Nana Atta Kakra Otto Du Nkuny, gespendet: 700 Quadratmeter Wildnis mussten gerodet werden. Nach afrikanischen Maßstäben sind das vier Bauplätze eine sehr großzügige Geste auch für dortige Verhältnisse. Bevor mit dem Bau begonnen werden konnte, mussten allerdings auch noch die Voraussetzungen geschaffen werden. Zehn Tage dauerte die amtliche Vereinsregistrierung in Ghanas Hauptstadt Akra, zwei Stunden Fahrtzeit entfernt, die erst den reibungslosen Geldtransfer ermöglichte, mit dem die Arbeiter, die Wasserfrauen und der Baustellenpolier Audu aus Cosua bezahlt werden konnten.

Nach den Entwürfen des Architekten Heiko Selwitschka aus Simmertal übernahm der ghanaische Architekt Stephen Acquah aus Akra die Bauleitung. Bei der Rodung des wilden Geländes war große Vorsicht geboten, kamen doch äußerst gefährliche Schlangen zum Vorschein. Gut, dass die Einheimischen die Gefahr kannten und die Tiere schnell und gekonnt entfernten. So konnte am nächsten Tag mit der Abmessung begonnen werden, um anschließend per Hand und Hacke den Graben für die Grundsteinmauer auszuheben. Einzige Maschine vor Ort war ein benzinbetriebener Betonmischer, denn Stromleitungen existieren dort nicht. Auch Wasser wurde in großen Tanks angefahren, extra engagierte Wasserfrauen schleppten die Kanister zum jeweiligen Verwendungsort. Schüsselweise wurde der Beton für das Mauerfundament von den Bauarbeitern zu den Gräben getragen, um die ebenfalls handgeformten Stahlstreben zur Mauerstützung einzuarbeiten. Fünf Reihen Mauersteine sind das Maß der Bodenhöhe für zwei Stockwerke mit je drei Klassenräumen und einem Büro. Die Innenfläche wird mit Sand gefüllt, worauf später die Bodenplatte aus Beton gegossen wird. Da die Menschen in Afrika gerade in ländlichen Gegenden ohne Kanalisation ihre Sanitäranlagen nicht gern im Wohnhaus haben, werden die Toiletten und Waschräume für die Schüler und das Personal hier ebenfalls außerhalb des Schulgebäudes errichtet. Zwischen sieben und zehn Arbeiter sowie die Wasserfrauen, die eine tägliche Anfahrt von einer Dreiviertelstunde hatten, arbeiteten täglich neun bis zehn Stunden auf der Baustelle. Selbstverständlich war es auch für Salifu Bukaris Nichte, den Deutschen bei ihrem für die Ortschaft so wichtigen Bauvorhaben zu unterstützen, sei es durch Handreichungen, Essensversorgung oder auch Vermittlung zwischen den Kulturen, wofür die Vereinsvorsitzende Westrich auch sehr dankbar ist.

Im nächsten Jahr, so hoffen die Initiatoren Westrich und Bukari, höchstwahrscheinlich wieder im August, soll der Bau fortgesetzt werden. Der Verein Boa Abofra plant hierfür bereits diverse Veranstaltungen, um weitere Gelder für das Projekt Boa-Abofra-Schule bei Akotsi in Ghana zusammenzubekommen. Zudem sammelt die Trommelgruppe Tanamasi, die den Verein unterstützt, immer noch Fahrräder. Nicht nur die beschenkten Schulkinder freuen sich über die Zweiräder, auch Erwachsene sind sehr dankbar für die handlichen Transportmittel in der strukturschwachen Gegend.

 

Nahe Zeitung vom Donnerstag, 15. Oktober 2015, von Ilona Brombacher